Blumen, Brandung, Bunker und Burgen

Impressionen einer Garten- und Kulturreise auf die Kanalinseln Jersey und Guernsey im April 2019 – Bericht des Teilnehmers Jürgen B. Hartig

Prolog

Sie war groß und schlank, graues, halblanges Haar. Ganz in Blau gekleidet: Strickjacke mit Goldknöpfen, sportliche Hose, weiße Hemdbluse mit blauen Längsstreifen. Und sie lächelte. Ein Lächeln, dem Ruhe, Lebenserfahrung, Gelassenheit und Freude innelagen. Freude an Blumen. Mrs. Lea.

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Mrs. Lea

 

„Welcome to my garden, Ladies and Gentlemen. Bitte, verzeihen Sie, wenn ich bei der Führung nicht vor Ihnen her gehe, sondern dieses Elektromobil benutze. Aber in der nächsten Woche werde ich Neunzig.“ Hinter dem denkmalgeschützten Haus, dessen mit Säulen geschmückte dem Garten zugewandte Fassade von einem uralten ausladenden Blauregen beherrscht wurde, öffnete sich uns Mrs. Leas Gartenreich, dessen Mittelpunkt ein gepflegter, aber begehbarer Rasen bildete. Büsche und Stauden, Blumenbeete, Birken in einer Glockenblumenwiese. Rote Kamelien, blauer kalifornischer Flieder, gepaart mit gelbem Ginster. Farben und Duft überall. Am Ende des Gartens, als habe man ein grünes Fenster geöffnet, bot sich ein weiter Blick in die große Bucht bei St. Aubin.

Das Rauschen der Strahltriebwerke war gleichmäßig, beinahe einschläfernd. Wir hatten die Reiseflughöhe bereits verlassen. Unter uns verschob sich langsam die „Landkarte“ der Normandie. Wir näherten uns der Halbinsel Cotentin. Die Sicht nach unter wurde erschwert durch die Tragflächen. Dann glitzerte es. Der Ärmelkanal. Sinkflug, eine Kurve, Anflug auf den Flughafen von Jersey in St. Peter.

 

Siegfried aus Dresden

Hatte jemand einen deutschsprachigen Reiseführer mit leicht englischem Akzent erwartet, so war die Überraschung groß. Der schwergewichtige, ältere Herr im schwarzen Anzug, weißem Hemd und gemusterter dunkelblauer Krawatte sprach akzentfreies Deutsch: „Meine Damen und Herren, Herrschaften! Herzlich Willkommen auf Jersey!“ Das war Siegfried aus Dresden. Seit gut 60 Jahren mit Familie auf Jersey ansässig. Und kein Hauch von Sächsisch. Wenn jemand noch den älteren Herrn aus der Tuborg Øl Reklame in Dänemark kennt, der hat eine gute Vorstellung von Herrn Siegfried. „Jawohl, Herr-schaften.“ Auch der Gehstock fehlte nicht.

Der erste Eindruck von Jersey war verwirrend, irritierend. Der Bus fuhr vom Flughafen nach Grouville, von West nach Ost. Und immer durch Wohngebiete, Einzelhäuser, Reihenhäuser, moderate Wohnblocks, Hafenanlagen. Jedenfalls Häuser. Das wollte nicht zu dem Bild passen, das irgendwo in einer Windung des Gehirns gespeichert war: Mediterranes Klima mit entsprechender Flora, Grünflächen, Gärten mit Blumen, Palmen und dergleichen. All das, was man gehört und gelesen hatte, wovon andere, die schon mal „da“ waren, geschwärmt hatten.

 

Grüne Bühnenbilder entzücken

Hat man die „Hauptstadt“ St. Hélier samt Vororten durchquert, dann ändert sich das Bild. Grün wird die vorherrschende Farbe, Wiesen, Hecken, Felder. Und dann schien ein Unsichtbarer einen Vorhang zur Seite zu ziehen und den Blick freizugeben auf ein „Bühnenbild“ für das Stück „Jersey und Guernsey – eine Reise ins Gartenreich“. An den Hotelfenstern saß man „Balkon“ mit weiter Sicht auf die „Bühne“: Ein ausgedehnter Golfplatz in grünem Dünengürtel mit eingestreutem gelb leuchtenden Stechginster, die Silhouette eines alten Forts, unsichtbar dahinter das Meer und im Hintergrund die weißen Häuser des kleinen Hafenortes Anne Port im Schutz der über ihnen aufsteigenden mächtigen Mauern einer großen Festungsanlage, Mont Orgueil Castle.

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Jersey Mont Orgeuil Castle

 

Der Erwartungshorizont ist wieder hergestellt

Vor dem Eintauchen in den ersten Privatgarten sah das Programm allerdings eine Eingewöhnungsphase vor. Inseln haben die Eigenschaft, rundum Küste zu haben. Die hinter dem hügeligen Golfplatz lernte man beim ersten Abendspaziergang kennen, die rauen und steilen Granitküsten im Norden und Südwesten gleich am nächsten Tag.
Grève de Lecq im Nordwesten ist eine typische Jersey-Bucht. Bei Ebbe gibt das Meer einen ausgedehnten goldgelben feinen Sandstrand frei, der eingerahmt wird von den Hügeln, die bis zu nahezu 150 Meter aufragen. Baden, Surfen, mit Kajaks „in See stechen“, und wer es ruhiger liebt, auf einer Restaurant-Terrasse dem Treiben entspannt zuschauen.

Jersey ist nicht groß. Etwa acht Kilometer misst die Insel von Nord nach Süd und 14,5 Kilometer von Ost nach West. Ein Katzensprung von der Bucht im Norden bis zur Steilküste im Süden an der Portelet Bay. Und dennoch eine „weite“ Reise, eine Fahrt in die allgegenwärtige Vergangenheit von Jersey. Auf dem Felsenplateau Noirmont Point liegt „Thüringen“, eine der großen Batterien der deutschen Wehrmacht mit Bunkern und Geschützplattformen mit Marine-Peilstand und „Meßstellung“, ausgerichtet auf die französische Küste. Jersey, Guernsey und die kleineren Kanalinseln haben in den Jahren 1940-45 sehr unter der deutschen Besatzung gelitten. Tausende ausländische Gefangene trieben Stollen in den Fels, bauten Bunker und Bastionen aus Zement und Eisen. Jersey und Guernsey waren Teil des sogenannten Westwalls.

 

Im Anti-Kriegsmuseum zu Besuch

Noch bevor wir den Strand Grève de Lecq ansteuerten, hielt unser Bus in einer Schlucht vor einem bogenförmigen Loch im Fels, vor dem zwei „Tommys“, Soldaten in der alten englischen Uniform, „Wache“ standen. Es war der Eingang zu den „Jersey War Tunnels“, einem Kriegsmuseum in einem etwa einen Kilometer langen Tunnelsystem der Wehrmacht, in dem ein Lazarett eingerichtet war. Kriegsmuseum trifft als Bezeichnung nicht wirklich zu. Es ist vielmehr ein Anti-Kriegsmuseum. Man wandert wohl durch Tunnel und Räume, vorbei an Relikten der Besatzungszeit wie Motorrädern der Kradmelder, an Kübelwagen und Panzerfahrzeug, an Vitrinen mit Waffen und Ausrüstungsgegenständen, durch „Lazarett-Räume“, in denen mit Szenerien die damalige Nutzung nachgestellt wird. Der Fokus liegt jedoch eindeutig auf der Leidensgeschichte der Bevölkerung. Darstellung und Multimediaangebote zielen darauf ab zu verdeutlichen: Das darf nie wieder geschehen. Krieg ist keine Option.

Überall auf Jersey und Guernsey stößt man auf diese Vergangenheit, die nicht verschwiegen wird, sondern offen über sinnvolle Aufarbeitung ins Bewusstsein von Bevölkerung und Besuchern gerückt wird.

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Jersey Grève de Lecq
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Jersey Grève de Lecq
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Jersey Brélade Bucht
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Jersey Brélade Bucht
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Jersey Meßstellung Noirmont Point
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Jersey War Tunnels
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Jersey War Tunnels
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Jersey War Tunnels

 

Zeitreise bis 1035 v. Chr.

Ruhig, beinahe besinnlich ging es zu bei einem viel weiteren Schritt zurück in der Geschichte. Bevor wir die Bastion bei Noirmont Point betraten, legten wir einen Zwischenstopp im Jahr 1035 v. Chr. ein. In der Pfarrkirche von St. Brélade, deren heutiges Gebäude, eine zweischiffige, später gotisierte Kirche aus dem frühen 12. Jahrhundert stammt. Drinnen wie draußen aus Bruchstein gefügt, beide Schiffe durch mächtige Spitzbogenarkaden getrennt. Eingebettet liegt die Kirche in einen Friedhof, dessen alte Grabsteine in ihren Inschriften viel von der Vergangenheit berichten können. Neben der Kirche, ein Stück versetzt, steht die Fischerkapelle, deren Ursprung wohl im 6. Jahrhundert liegt. Ihr größter Kunstschatz sind mittelalterliche Fresken.

Den Reiz von Friedhof, Kirche und Kapelle macht ihre Lage aus, unmittelbar am westlichen Ufer der Bucht von Saint Brélade, mit dem weit geschwungenen Sandstrand – wenn ihn die Ebbe freigibt.

Eine Bucht weiter, nahe dem langen Bogen der Sandstrände zwischen St. Aubin und St. Helier, liegt unmittelbar neben dem hübschen Coronation Park eine Kirche, die den Betrachter zurück in die Gegenwart katapultiert. St. Matthew, die sogenannte Glaskirche in St. Lawrence.

 

Die Glaskirche verblüfft alle

Nicht dass die Wände gar durchsichtig wären und aus Glas bestünden. Es sind auch nicht die Glasfenster, die hier besonders farbig gestaltet wären. Die sind schlicht und dienen ihrem eigentlich Zweck, dem Lichteinlass. Aber schon die Eingangstüren lassen erahnen, was den überraschten Besucher erwartet. Sie ähneln beinahe Glasskulpturen. Das Kirchenschiff ist schlicht, hell und übersichtlich. Ein blauer Teppich im Mittelgang führt das Auge gezielt zum Altar. Und dort ist alles aus Glas: Altartisch, Altarkreuz und zwei seitliche Säulen, die an Golgatha erinnern, Altarschranken, dazu zwei Seitenräume, die den Altarraum abgrenzen (Kapelle und Zweitorgelraum). Hauptmotive sind Madonnen- und Jersey-Lilien. Die Kirche wurde 1840 errichtet, die „Verglasung“ hingegen schuf erst 1934 der französische Glaskünstler René Lalique.

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St. Brélade Parish Church
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St. Brélade Fischer Kirche
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St. Matthew Glaskirche in St. Lawrence
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St. Matthew Glaskirche in St. Lawrence

Jersey-Lilien. Das Stichwort zum Thema Gartenreise. Noch sind wir ganz in der Nähe von Mrs. Lea, die uns eingangs begrüßte. Nur wenige Autominuten entfernt im grünen Hinterland, direkt neben einem der sechs Golfplätze auf Jersey. Jemand hat einmal formuliert: „Die Einwohner der Insel haben sich echte Gartenparadiese geschaffen, wie das Areal von Le Clos du Chemin beweist.“

 

Und überall diese Gartenparadiese

Mrs. Lea, inzwischen 90 Jahre alt, öffnete für uns ein solches Paradies, das sie und ihre Familie 1990 übernahmen, nachdem ein Wirbelsturm es 1987 zerstört hatte. Mrs. Lea und Familie restaurierten die Gärten, einen mit englischen Elementen, einen weiteren mit italienischen. Der eine „Park“, der andere in strenger Leichtigkeit mit Wasserbassin, Mäuerchen, Vasen, Putten und Figurinen. Faszinierend: Ein steinernes Tor in der Umgebungsmauer, die ins „Nichts“ führte, auch wenn man hindurch auf weiteres Grün, auf ein anderes Wasserbecken schaute. Wer näher trat, erkannte sich selber, im Grün, vor dem Wasserbecken. Ein Spiegel im Tor. Ein Weg zu sich selbst.

Den wirklich erste Garten dieser Reise besuchten wir allerdings eine kleine Wegstrecke nordöstlich, auf der Domaine des Vaux, idyllisch hinter Wiesen und an einem bewaldeten Taleinschnitt gelegen. So idyllisch, dass unser Bus im Ort verblieb und wir durch Wiesen und Hecken in Richtung Tal wandern durften. Unser Ziel: Ein restaurierter und gepflegter englischer Bauernhof.

 

Die drei kleinen Gärten

Und abermals zwei Gartenanlagen, die eine ein klassischer Rasen- und Blumengarten, die andere ein Taleinschnitt, mit Bäumen, Blumen und Sträuchern aller Art. Kunstvoll „naturbelassen“. Ein Weg schlängelte sich hinunter und an einer Seite wieder herauf – zu einer kleinen Überraschung, zu einem dritten, kleinen Garten, einer Art Bauerngarten, wie sie bei uns zu finden sind. Blumen und Kräuter in Buchsbaumbeeten.

 

Enkelinnen reichen Scones

Das Besitzerehepaar selber übernahm mit verhaltenem Stolz die Führung durch ihr Paradies, an dessen Ende uns auf der großen Gartenterrasse zwischen Blumenbeeten, Gräsern, plätscherndem Brunnen, Putten und Zitronenbäumen ein typischer englischer High Tea erwartete, den die ganze Familie servierte, einschließlich der kleinen Enkelinnen, die die Scones reichten.

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Mrs. Leas Garten – Le Clos du Chemin
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Mrs. Leas Garten – Le Clos du Chemin
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Mrs. Leas Garten – Le Clos du Chemin
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Mrs. Leas Garten – Le Clos du Chemin
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Mrs. Leas Garten – Le Clos du Chemin
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Mrs. Leas Garten – Le Clos du Chemin
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Mrs. Leas Garten – Le Clos du Chemin
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Domaine des Vaux
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Domaine des Vaux
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Domaine des Vaux
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Domaine des Vaux

 

Szenenwechsel an der Nordküste

Nicht weit entfernt vom Strand bei Grève de Lecq an der Nordküste, bei Creux Baillot in der Gemeinde St. Ouen, gibt es eine bewaldete Senke mit mehreren Teichen. Ringsum Felder und Wiesen, durch die man auf einer schmalen Zuwegung, der Verte Rue/Green Lane, bis in den Taleinschnitt gelangt. Blaue und weiße Glockenblumen, rötlicher Storchenschnabel und andere Wiesenblumen schmücken die Wegränder. An einem Wegekreuz an der Rue de la Capelle weist der ausgestreckte Zeigefinger einer Hand auf einem kleinen Schild in die Richtung von Judith Quérées Garten. „Noch 150 yards.“

Der Pfad dahin führt längs eines rustikalen und urigen Holzzauns, an dem ein Esel steht und seinen Kopf dem Besucher grüßend entgegen reckt. Auf einem Zaunpfosten hockt ein grau-schwarzer Rabe in geduckter Erwartung. Auf dem Dachfirst eines Hauses balancieren ein Hahn und ein Huhn. Alle lautlos. Kein schrilles Iiiaaa, kein heiseres Krächzen, kein Kikeriki oder Gackern. Stille. Ruhe. Ländliche Ruhe.

 

Judith Quérées erklärt ihr (Blumen-)Reich

Esel, Rabe, Hahn und Huhn und weitere Tiere sind aus Draht geformt und bevölkern Garten, Hof und Terrasse in Judiths Welt, die sie mit ihrem Mann in gut 30 Jahren aufgebaut hat und die sie mehrfach in der Woche Menschen öffnet, die sich für eine Weile in diese kleine Wunderwelt der Natur entführen lassen wollen. Und dabei viel Neues kennenlernen.

Judith, eine fröhlich-resolute Frau, führt, ihr Mann, der lieber bastelt und baut, hält sich im Hintergrund. Judith erklärt ruhig und mit Hingabe – und auf Deutsch, was Namen und Bezeichnungen anbelangt – die vielen Blumen und Pflanzen aus aller Welt, die hier unter natürlichen Bedingungen und nur mit organischer Düngung wachsen und gedeihen. Mehr als 2500 Arten sollen es sein, die in einem oberen sonnigen und trockenen Garten und einem schattigen unter Bäumen in der Senke um einen Bachlauf herum wachsen.

Judith nennt all ihre Blumen und Gewächse mit Namen, als seien es ihre Kinder. Auf einem Tisch der oberen Terrasse sind es Fettblatt- und Dachwurzgewächse, die vornehmlich die Damen anziehen. Frau Judith zeigt sich großzügig. Kleine Ableger wechseln den Besitzer und werden vielleicht in einem deutschen Garten oder auf dem Balkon ein neues Zuhause finden.

 

Eichhörnchen zur Pflege

Aber es sind nicht nur Blumen, Gräser und andere Pflanzen, für die Judith und ihr Mann sorgen. Eichhörnchen, die sich verletzt haben, werden hierher gebracht und gepflegt, bis sie wieder in die Natur entlassen werden können. Auch um Fledermäuse kümmern sie sich. Eine übergroße „Vampir“-Skulptur hängt dafür symbolisch an einem dicken Ast vor einer Backsteinmauer. Insektenhotels bieten Unterschlupf, und an einem Ständerquirl hängen acht Futterröhren aus Glas und Draht mit Körnerfutter für verschiedene Vogelarten.

Und immer wieder Draht- und Holzskulpturen. Übergroße Pusteblumen, mächtige Mohnkapseln, Holzpilze auf einem Rasen, eine Walnuss, groß wie ein Fußball, die gerade auf die Wiese gefallen zu sein scheint und dabei halb in die Erde eingedrungen ist. Eine Schnecke, die sich auf dem Zaun entlangschiebt – aus einem Stück Fahrradkette geformt. Eine Libelle, die sich an einem Zaunpfosten sonnt – aus Eisenstücken, Drahtbögen. Vielleicht skurril, aber es passt. Zu Judith und ihrem Mann. Weiße Tauben auf dem Dach gurren uns ein „Kommt wieder“ nach.

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Judith Querées Garten
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Judith Querées Garten
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Judith Querées Garten
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Judith Querées Garten
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Judith Querées Garten
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Judith Querées Garten

 

Kontraste – und zwölf Meter Tidenhub

Bei so vielen Eindrücken aus gehegten und gepflegten Gartenanlagen braucht es hin und wieder eine „Erholungspause“, um die Aufnahmefähigkeit zu regenerieren. Und dafür ist die Küste gut, die steil abfallenden Granitfelsen, die rauen und faltigen Felsstürze, gegen die die See unermüdlich anrennt, an ihnen nagt und frisst. Mal scheinbar sanft, bei Sturm mit brachialer Gewalt. Schlagen Wellen gegen den Fels, spritzt die Gischt weiß und glitzernd hoch auf. Wasser gegen Fels, ein immerwährender Kampf. Dazu die Gezeiten in ihrem ständigen Kommen und Gehen. Jersey verzeichnet einen Tidenhub von bis zu zwölf Metern auf seiner Ostseite. Zieht sich das Wasser zurück, wird der Meeresboden zu einer weiten Mondlandschaft aus rotbraunem und gelblichen Felsen und scharfkantigen Riffen.

An der Nordwestspitze Jerseys liegt die Ruine von Grosnez Castle, hoch über der brandenden See, auf einem kleinen Plateau, gebaut vermutlich um 1330 von Sir John des Roches. Sir John – Herr der Felsen. Welch prosaischer Name.

Von hier bis zum Leuchtturm La Corbière an der Südwestecke der Insel erstreckt sich in langem, weiten Bogen die St. Ouens Bay mit ihren Stränden und Granit-Riffen. Ist Grosnez Castle und die Felsenküste etliche Fotos wert, so ist es die Felsenlandschaft um La Corbière allemal. Auf einem kleinen gratigen Vorgebirge sitzt wie aufgepfropft ein weißer Leuchtturm, blau das Meer ringsum, weiß die Schaumkämme dort, wo die See auf Felsen stößt. Malerisch. Und doch bietet sich ein völlig anderer Eindruck gleich nebenan, auf dem Felsplateau am Festland gegenüber. Auch hier wurden Betonburgen und Batterien von der Wehrmacht in und auf den Fels gebaut.

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Jersey Westküste La Rocco Tower
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Jersey Nordwestküste Grosnez Castle
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Jersey Nordwestküste Grosnez Castle
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Jersey Südwestküste La Corbière
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Jersey Südwestküste La Corbière

 

Intermezzo auf Guernsey

Wer Jersey erkundet, sollte auch Guernsey besuchen. Die Inseln sind wie Geschwister, einander ähnlich und doch mit eigenem Charakter, die eine größer als die andere, und auch im Aussehen unterscheiden sie sich. Aber beide sind liebenswert.

Etwa 40 Kilometer Luftlinie trennen die beiden Hauptstädte und -häfen St. Hélier, Jersey, und St. Peter Port auf Guernsey. Eine Fährfahrt dauert etwa eine bis anderthalb Stunden und gewährt währenddessen auch einen Fernblick auf die Inseln Sark und Herm. „Herrschaften“, dröhnte Herr Siegfried, als er uns am Elizabeth-Terminal für zwei Tage nach Guernsey verabschiedete, „hier, nehmen Sie alle einen Ingwer-Keks. Der hilft gegen Seekrankheit!“ Sprach‘s und verteilte „Stem Ginger Cookies“. Niemand „erkrankte“ auf der Überfahrt. Das Meer hatte sich ausgesprochen überfahrtfreundlich verhalten.

Die Fähre schob sich vorsichtig an den mächtigen Granitquadermauern von Fort Cornet vorbei in den Hafen. Hunderte Segelboote lagen tief vor den hohen, graugrünen Kaimauern. Es war Niedrigwasser. Dahinter die Stadtkulisse der dichtgedrängt stehenden Häusern von St. Peter Port, die sich von der Hafenkante einen steilen Hang emporzogen. Die Kameras klickten, um das Panorama auf SD-Karten zu bannen.

 

Eddie kam aus Hamburg

Noch auf dem Pier begrüßte uns Eddie, die eigentlich Edelgart heißt, einen verräterischen Akzent hatte und auf die Frage, ob sie denn aus Hamburg-Barmbek oder Wandsbek stamme, fröhlich erwiderte: „Ne, mien Jung. Ik bünn ut Hamborch-Wilhelmsborch.“ Aber nun schon gut 60 Jahre auf Guernsey, ihrer Insel. Und die hat sie uns mit viel Freude, Humor und Spontanität nähergebracht.

Einer Stadtführung oberhalb des Hafens folgte der Besuch der rustikalen Festung  an der Hafeneinfahrt. Fort Cornet war das steingewordene Motto unserer Reise: Kultur- und Gärten! Einerseits die Festungsanlage als Bauwerk, fünf Museen über die Geschichte der Festung und der Insel und dann vier kleine Gartenanlagen in der Festung selbst. Gekonnte Reiseoptimierung.

Fort Cornet ist auch gleichzeitig Zeitzeuge, was die Besetzung der Kanalinseln durch die deutsche Wehrmacht anbelangt. Geschützstände und Bunker zeugen davon, wie auch weitere Batterien, Bunker oder ein Tunnellazarett, verteilt über die Insel. Bei Port Soif an der Westküste bot sich die Gelegenheit, einer solchen Bunkeranlage „auf´s Dach“ zu steigen. Geschickt mit Granitquadern verkleidet, ähnelte sie einer alten Festung.

 

Steile Klippen, grüne Hänge, gelber Ginster

 

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Guernsey – St. Peter Port Hafen
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Guernsey – St. Peter Port Hafen – Festung Fort Cornet
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Guernsey – St. Peter Port
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Guernsey – St. Peter Port
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Guernsey – St. Peter Port
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Guernsey – St. Peter Port Parish Church
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Guernsey – St. Peter Port
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Guernsey – St. Peter Port
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Guernsey – St. Peter Port – Festung Fort Cornet
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Guernsey – St. Peter Port – Festung Fort Cornet
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Guernsey – St. Peter Port – Festung Fort Cornet

 

Auch Guernsey lässt sich – wie Jersey – auf Küstenwanderwegen erforschen. Seinen schönsten Abschnitt „erwanderten“ wir (zeitlich ein Spaziergang) im Süden an der Saints Bay. Steile Klippen, grüne Hänge, gelber Ginster, ein Feldstreifen mit blauen Glockenblumen, bei denen man festgestellt hat, dass sie die dünne Humusdecke besser festigen als andere Gewächse. Ein Experiment. Dort dürfte demnächst das Blau des Meeres in das Blau der Blumen übergehen und dann nahtlos in den blauen Himmel. Welche Phantasia.

Nicht Fantasie, sondern mehr einer Fata Morgana glich die wohl kleinste Kirche der Welt – The Little Chapel. An einem Hang, neben grünen Wiesen, auf denen „Jersey-Kühe“ weideten. Beinahe eine Einpersonenkirche, innen wie außen mit Abertausenden kleiner Porzellanscherben von Tellern, Tassen, Kannen, Bechern, Vasen und vielen Kieselsteinen, die der Erbauer, Bruder Déodat, ein französischer Mönch, seit dem Jahr 1914 liebevoll zu einer Kirche verbaute, die der von Lourdes ähnlich sehen sollte. Inzwischen ist es die vierte Version, die wir heute betreten. Die zweite „überlebte“ bis 1923. Bruder Déodat riss sie ab, weil der Bischof von Portsmouth nicht durch die Tür passte …

 

Bis zum letzten Licht …

Noch heute spenden Menschen Scherben für den Erhalt und Weiterbau der Kleinen Kapelle. Eine Kuriosität, die Öffnungszeiten: Mai bis September 9 bis 16 Uhr, Oktober bis April 9 Uhr bis zum letzten Licht – und – die Kapelle ist solange geöffnet, bis auch das letzte Kreuzfahrtschiff abgelegt hat. Da bekommt das englische Wort für Gottesdienst „service“ einen ganz anderen Sinn. Aber: Man stelle sich die Besuchermassen eines Kreuzfahrtschiffes vor. Die Warteschlange dürfte bis zum Hafen reichen …

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Guernsey Saints Bay
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Guernsey Saints Bay
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Guernsey Saints Bay
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Guernsey Saints Bay
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Guernsey The Little Chapel – Les Vauxbelets
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Guernsey The Little Chapel – Les Vauxbelets
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Guernsey The Little Chapel – Les Vauxbelets
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Guernsey The Little Chapel – Les Vauxbelets
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Guernsey The Little Chapel – Les Vauxbelets
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Guernsey The Little Chapel – Les Vauxbelets
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Guernsey Fort Grey Rocquaine Bay
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Guernsey Fort bei Port Soif – Westküste
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Guernsey Fort bei Port Soif – Westküste
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Guernsey Fort bei Port Soif – Westküste

 

Ein Garten wie der von Mrs. Lea auf Jersey hat hier auf Guernsey sein Gegenstück im „La Petite Vallee“ bei Mrs. Monachran, die uns freundlich begrüßte und uns dann ihren fantastischen und vielseitigen Garten zur „Selbstführung“ mit Eddie überließ. Das stilvolle Fachwerkhaus blickt hinunter auf einen abfallenden und terrassierten Garten. Wie bei Mrs. Lea leuchtet die Fassade von fliederfarbenen Blauregen. Zwei mit Steinvasen geschmückte Treppen führen hinab in dieses Gartenparadies. In einer Rinne zwischen den Stufen einer geteilten Quertreppe plätschert Wasser nach unten. Ein muschel-dekorierter Brunnen auf dem oberen Hang versorgt dieses ungewöhnliche „Wasserspiel“.

Steinrondelle, Stauden, skurril wachsende Bäume, Vasen, Farne, Zwergpalmen, Bananenstauden, Schilf, Wasserlilien, eine kleine grüne Streuobstwiese mit Apfelbäumen und Bluebell-Inseln … Zwei kleine Kinder, die Obst pflücken. Eines steht auf der Leiter, das andere sichert sie. Lebensgroße Metallplastiken.

Geschwungene Stufen aus rotem Backstein führen wieder hinauf zu einem Stauden-garten, umrandet von „englischem Rasen“. Eine Wiese öffnet sich, auf dem sich zwei Statuen chinesischer Männer in historischer Kleidung gegenüberstehen. Ein Bogentor in der mit Efeu überwachsenen Backsteinmauer, bewacht von zwei „chinesischen Löwen“, leitet hinüber zum Haus, dessen Wintergarten hier auf einen nierenförmigen, blau leuchtenden kleinen Pool stößt. Wir sind wieder auf der Terrasse, von der man diesen Wundergarten überblickt, den Garten im kleinen Tal. La Petite Vallee.

 

Dschungelpfad mit Kunstwerken

Ein verwunschener Ort ist der Sausmarez Manor Subtropical Garden & Artpark. Der scheinbar endlose Weg durch den Wald, mit Nebenwegen, schlängelt sich unter dichtem Laubdach, durch Farne und Bambushaine und an Teichen entlang. Das Besondere an diesem „Dschungelpfad“ sind die vielen Kunstwerke, Skulpturen aus Metall, Stein und Holz. Abstraktes und Reales, Tiere, Köpfe, eine riesige Hand, die vorsichtig ein Pflänzlein zwischen zwei Fingern hält (The gardener‘s hand), spielende Kinder, Kugeln und Scheiben, in denen sich die Umwelt spiegelt, Symbolisches. Alles eingebettet in die Natur. Nicht auf Dauer. Man kann die Kunstwerke erwerben. Für Nachschub wird gesorgt.

Ein hübscher kleiner Stadtpark ist der Candie Garden in St. Peter Port mit gepflegten Rabatten, Tulpenfeldern und kräftig rot blühenden Kamelien im unteren Teil. Wundert es jemanden, wenn auch dieser Garten in einer Senke liegt? Im oberen Garten beherrscht eine Art Pavillon, das Guernsey Museum mit Kunstgalerie, die Anlage. Davor hat man Victor Hugo 1914 ein Denkmal gesetzt. Der lebte hier mit Familie – und Geliebter – 15 Jahre im Exil. Das ist schon ein Denkmal wert ...

 

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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Privatgarten Mrs. Monachran
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Guernsey Saumarez Subtropical Garden & Art
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Guernsey Saumarez Subtropical Garden & Art
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Guernsey Saumarez Subtropical Garden & Art
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Guernsey Saumarez Subtropical Garden & Art
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Guernsey Saumarez Subtropical Garden & Art
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Guernsey Saumarez Subtropical Garden & Art
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Guernsey Saumarez Subtropical Garden & Art
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Guernsey Candie Gardens St. Peter Port
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Guernsey Candie Gardens St. Peter Port
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Guernsey – St. Peter Port

 

Die Rückfahrt nach Jersey verlief ein wenig windiger, doch niemand wurde seekrank. Auch ohne Ingwer-Kekse.

Noch einmal glitt die südwestliche Steilküste vorbei, bot sich der weiße Leuchturm von La Corbière als Fotomotiv an. Diesmal von der Seeseite. Die Bastion Thüringen schob sich, scheinbar klein dort hoch oben, aber nicht weniger bedrohlich, an der Backbordseite vorbei, dann das langgestreckte Elizabeth-Castle im Hafen von St. Hélier.

„Herrschaften, willkommen zurück!“ Herr Siegfried hatte uns wieder. Und wir ihn.

Herr Siegfried ist bekannt. Man grüßt ihn allerorten. Auf der High St. und King St., der Einkaufsmeile von St. Hélier, im Fischmarkt, wo er uns selbst eine riesige Spinnen-Krabbe vorführte, und auch in der pittoresken alten Markthalle von 1881 mit ihren bunten Ständen für Obst und Gemüse, für Blumen und Bananen, Fleischwaren und – natürlich, endlich werden sie erwähnt – Jersey-Kartoffeln, die hier auf jedem kleinen Acker zu wachsen scheinen. Wenn es nicht gerade eine Wiese mit Jersey-Kühen ist. Der ach so beliebte und einzigartige Erdapfel. Klein muss er sein. Die großen Exemplare pflügt man wieder unter. Sagt man.

Und noch etwas zeichnet diese Markthalle aus: Sie hat ein stilvolles Antiquariat. Kein Stand, nein ein veritables Holzgebäude mit Fries und einem kleinen Portikus. Gelblich cremefarben, Ränder in Violett. Der Verkäufer? Ein älterer Herr, weißer Haarkranz, grüner Pullover, Hemd und Krawatte. Ein Gentleman der Vorzeit. Antiquar.

St. Hélier ist quirlig, beeindruckende Geschäftsvielfalt, in der Fassade klein, dahinter häufig riesig. Kaufen kann man hier fast alles. Nur bei Briefmarken wird es schwierig. Da muss schon eine Post in der Nähe sein. Da aber ist der Gruppentourist in einer Klemme. In der Post muss man sich anstellen. Und die Schlangen sind lang. Und die Gruppe zieht weiter. Zum Beispiel in das Jersey Museum mit didaktisch und optisch gut aufbereiteten Themen zur Geschichte Jerseys.

 

Orchideenjäger unter sich

Es gibt Blumen, die sind wunderschön, werden aber nicht von allen geliebt. Orchideen zum Beispiel. Schön, aber kühl. Farbenprächtig, aber beinahe kitschig, fast wie Kunstblumen. Jaaa, kannnn man so sehen. Aber schön sind sie doch. Und so fotogen. In der Eric Young Orchid Foundation in Victoria Village/Trinity können sich Blumenfotografen so richtig austoben. Es sind so viele Orchideen, dass die meisten Mitreisenden schon beim Tee waren, ehe die Orchideenjäger wieder aus dem Blütendschungel auftauchten.

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Jersey La Corbière
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Jersey Elizabeth Castle St Hélier
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Jersey St. Hélier
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Jersey St. Hélier
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Jersey St. Hélier
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Jersey St. Hélier Parish Church
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Jersey St. Hélier
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Jersey St. Hélier Central Market- Markthalle
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Jersey St. Hélier Central Market- Markthalle
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Jersey St. Hélier Jersey Museum
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Jersey St. Hélier Jersey Museum
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Jersey St. Hélier Fischmarkt Spinnenkrabbe
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Jersey Eric Young Orchid Foundation
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Jersey Eric Young Orchid Foundation
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Jersey Eric Young Orchid Foundation

 

Jede Reise geht einmal zu Ende. Auch Kultur- und Gartenreisen. Diese schloss mit drei Höhepunkten, zwei davon im wahrsten Sinne des Wortes auf der Höhe. Die eingangs erwähnte Burganlage Mont Orgeuil reckt sich über dem kleinen Hafen von Anne Port in den Himmel, gewaltig und beherrschend. Steil ragen die Mauern auf, steil ist der Weg in die Vorburg, über Treppen durch ein Tor hinauf in die dicken Mauern, zu Bastionen und Rittersälen, Kammern, Küche und Kemenaten. Und ganz oben, von wo aus man eine faszinierende Aussicht hat auf Jersey, das Meer und, bei klarer Sicht, bis zur französischen Küste, dort erwartet den Burgbesteiger – nicht unerwartet – ein ehemals deutscher Beobachtungsstand.

Waren wir enge Treppengänge hochgewendelt und nun wieder hinunter, so wählten andere Besucher einen eher unkonventionellen Weg des Abstiegs. Eine Gruppe Höhenretter übte neben uns das Abseilen vom höchsten Punkt in den oberen Innenhof. Sicher zügiger als der Abstieg über Wendeltreppen und Gänge. Die Warteschlange wäre allerdings zu lang geworden, hätten wir uns dafür entschieden. Und – die Höhenretter waren vor uns da.

 

Zum Sitz des Seigneurs von Jersey

Der vorletzte Höhepunkt lag erheblich tiefer, im „Flachland“ an der St. Clements Bay an der östlichen Südküste: Samarès Manor, der traditionelle Sitz des Seigneurs von Jersey. Ein weiter Park, ein Herrenhaus mit der Einrichtung aus den zwanziger Jahre, das man besichtigte, ein japanischer Garten und dann der Höhepunkt: Ein botanischer Garten, auf drei Seiten begrenzt von hohen Bruchsteinmauern, an deren mittlerer eine Stahlplattform Höhensicht auf diese Anlage, Herrenhaus und Park mit Taubenturm gewährte.

Wer sich umwandte und über die Mauer nach Norden schaute, dem bot sich ein anderes Bild: Die akkurat gehäufelten Reihen eines Kartoffelackers. Jersey Kartoffeln.

Für den Weg zum Flughafen hatte Herr Siegfried seinen letzten Höhepunkt geplant. Der Bus keuchte auf steiler Straße hinauf auf den langgestreckten Höhenzug an der Ostseite von St. Hélier. Eine riesige und moderne Freizeit- und Sportanlage ist hier entstanden, wo heute noch daneben die alten Gebäude von Fort Regent stehen. Von hier aus hat man einen Panoramablick auf den Hafen, die Stadt, Fort Elizabeth und die Bucht von St. Hélier. Das sollte das „Abschiedsgeschenk“ für uns sein. So hatte es Herr Siegfried geplant. Es begann zu regnen.

Bei einem auf der Rückfahrt zum Flughafen extra dafür vorgesehenen Stopp machte ein Supermarkt einen überraschenden Sonderumsatz: Ingwer-Kekse.

 

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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Mont Orgeuil Castle
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Jersey Samarès Manor
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Jersey Samarès Manor
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Jersey Samarès Manor
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Jersey Samarès Manor
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Jersey Samarès Manor
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Jersey St. Hélier

 

Fotos von Renate und Jürgen B. Hartig
August/September 2019


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